Die Walliser Schwarzhalsziege
Auszüge aus Gefährdete Nutztierrassen/ Hans Hinrich Sambraus-Ulmer Verlag
>>Die Sattelziege ist ein großes, starkes und wohlgebautes Tier mit gemsenartigen, kräftigen Beinen. Die vordere Hälfte des Tieres (Kopf, Hals, Brust, Vorderbeine und der Rumpf bis hinter die Schulterblätter) ist Schwarz und die hintere Hälfte ist rein weiß. Der Haarwuchs ist dichter und länger als bei allen übrigen Schweizer Ziegen und verleiht dem Tier etwas fremdartig eigentümliches, zumal Bock und Ziege mit starken Hörnern versehen sind. Der Bock ist mit einem starken Bart und üppigem , über die Augen niederfallendem Haarbüschel auf der Stirn geziert. Das Gehörn erreicht beim Bock eine Länge von 50 cm und darüber und hat an der Basis einen Durchmesser von 7-8 cm. Der Milchertrag ist geringer als bei den übrigen schweizerischen Hausziegen, dagegen liefert sie mehr und sehr schmackhaftes Fleisch.<<
(Anderegg um 1887)
>>Die Oberwalliser Schwarzhalsziege ist eine der schönsten und zugleich größten Ziegen der Alpen. Sie ist durch eine lange Behaarung gekennzeichnet, deshalb heißt sie auch Zottelgeiß. Kopf, Vorderfüße und Vorderkörper bis hinter die Schultern sind schwarz, während der hintere Teil weiß ist. Das prachtvolle, ebenmäßige Kleid verleiht ihr ein würdiges Aussehen. Sie ist kräftig gebaut und eignet sich für die raue Alp wie keine andere, während sie für die Stallhaltung weniger passt.<<
(Strebler um 1903)
>>Für die hohen Alpen geschaffen, ist die Rase unbestreitbar eine der kräftigsten. ihre Ausdauer hat ihr auch den Beinamen >>Gletscherziege<< eingetragen. Sie geht mehrere Stunden weit, um ihre Nahrung zu suchen und um Abends in ihren Stall zurückzukehren. Doch verbringt sie die Nächte gewöhnlich im Freien, unter einem Felsen Schutz suchend.<<
(Zürn um 1906)
Aus eigener Erfahrung:
Ob nun `Gletschergeiß, Sattelziege oder Zottelgeiß ,-Vispentalerziege oder Halsene, eines steht fest: die Walliser Schwarzhalsziege mag in ihrer (Zucht) -Geschichte viele Namen bekommen haben, doch hat sich ihr Typ und Aussehen bis heute kaum verändert. Vor allem ihre aparte Fellzeichnung macht diese Rasse zu etwas ganz Besonderem... der freundliche Charakter und die Intelligenz dieser Tiere runden den Gesamteindruck ab. Bedenkt man, daß die Walliser historischen Berichten zur Folge ca. 930 n. Chr. durch Einwanderung afrikanischer Völker nach Unterwallis eingeführt worden ist, kann man sagen, daß sie sich sehr gut an die Bedingungen ihrer neuen Heimat angepasst hat. (Ausbreitung über ganz Oberwallis)
Im ausgehenden 19. Jahrhundert standen bei Ziegen drei Zuchtziele im Vordergrund: hohe Milchleistung, Kurzhaarigkeit und Hornlosigkeit. Die Walliser Schwarzhalsziege entsprach diesen Zuchtzielen überhaupt nicht, besaß sie doch Hörner, ein langes Haarkleid, sowie eine im Vergleich zu anderen Rassen "geringe" Milchleistung. Dennoch waren alle diese drei Eigenschaften bzw. Leistungen der Rasse begründet und sinnvoll. Hornlosigkeit ist bei Ziegen schließlich mit einer erhöhten Zwitterrate gekoppelt! Ihr langes Haarkleid ist ein wirksamer Schutz gegen die Hitze des Tages und den kalten Nächten im Hochgebirge. Die Milchleistung der Walliser ist schließlich nicht so schlecht, wenn man bedenkt, daß die Tiere unter kargen Bedingungen gehalten werden und wurden, und eine Zufütterung von Kraftfutter unüblich ist.
Da ich denke, daß im Gegensatz zu theoretischem Wissen aus Fach-Literatur, eigene Erfahrungswerte Interessierten oft mehr helfen, möchte ich an dieser Stelle auch etwas über diese Rasse schreiben: Es sind jetzt schon über 15Jahre, in denen ich Ziegen halte und züchte -seit 12 Jahren auch Walliser Schwarzhalsziegen. In dieser Zeit wuchs meine Begeisterung bezüglich dieser Tiere von Tag zu Tag. Wie schon im oberen Text erwähnt, stellt es absolut kein Problem dar sie auch im Winter draußen (Offenstall) zu halten. Es bekommt ihnen sogar besser als der Stall, was sich in deren physischen, -aber auch psychischen Befinden äußert. So sind die Lämmer der im Winter außen gehaltenen Ziegen stets kräftiger und vitaler gewesen, als die der Stall-Tiere! In Fach-Literatur heißt es oft, daß diese Ziegen 1 -selten 2 Lämmer zur Welt bringen... naja vielleicht hatte ich bislang nur viel Glück, waren bei meinen Tieren doch Einlinge eher selten...!
Auch in der Milchleistung müssen sie anderen Rassen nicht unbedingt nachstehen! Ich habe eine "kranke Tante", die gibt wenn es sein muss täglich fast 7 1/2 Liter Milch!!! (wenn auch nur über ein paar Tage) Mir ist außerdem aufgefallen, daß man die Rasse selber noch in unterschiedliche Schläge aufteilen kann: Bei mir tummeln sich, obwohl alle mit Papieren, Ziegen zwei verschiedener Zuchtrichtungen. Da gibt es die Version "Riesenfluse", sie besitzen eine Fellpracht, welche bis auf den Boden reicht. Die Locke ist so dicht und lang, daß ich mich schon oft fragen musste ob diese Tiere überhaupt noch den "Durchblick" haben... Trotz der geringeren Milchleistung wachsen die Lämmer schneller. (Höherer Fettgehalt!) Das Modell "Koffer" dagegen ist um einiges stabiler gebaut (größerer Rahmen -kürzere Beine). Das Fell ist etwas pflegeleichter aber auch hier existiert eine Locke. Das Gehörn nimmt nicht ganz solch enorme Ausmaße wie bei den "Riesenflusen" an. Eines haben beide Schläge jedoch gemeinsam: Sie sind im Vergleich zu Rassen wie der BDE, Toggenburger oder Thüringer Waldziege bezüglich des Futters um einiges genügsamer und bei der Fortpflanzung spätreif. Im Sommer bekommen meine Tiere ausschließlich, was die Weide hergibt. (u.a. sogar Magerrasen) -(Hierbei möchte ich erwähnen, daß Ziegen sich erstklassig zur Landschaftspflege eignen!!!) Im Winter stehen Grummet, Heu und wenn die Lämmer da sind, Hafer auf dem Speiseplan.
Hier noch ein paar Eckdaten: Der Bock erreicht eine Widerristhöhe zwischen 75 und 85cm, bei einem Gewicht von 65-75kg. Die Geiß wird zwischen 70-80cm. gross und kann bis zu 50kg auf die Waage bringen
Das Projekt:
Es war einmal... Für den Bau unseres Wasserwerkes wurde einst eigens ein abzweigendes Gleis erstellt, so dass Baumaterialien etc. schnell an den Ort des Geschehens gebracht werden konnten. Als alles vollendet war, wurden die ca. 2KM Wall sich selbst überlassen. Im Laufe der Zeit war von den schwarzen Steinen und den Schienen nichts mehr zu sehen -das Grün hatte sich dieses Stück Land zurück erobert. Ich kann nur vom Hörensagen berichten, dass sich auf diesem künstlichen Wall, von welchem Wasser schnell abgeleitet wird, so allerlei Kräuterchen angesiedelt haben mussten.
Als ich 1997 zum ersten Mal vor den alten Gleisen stand, war von Kräuterchen allerdings nicht mehr viel zu sehen. Klar -grün war das Teil, allerdings nur von 3 Pflanzenarten besiedelt. Disteln und Brennnesseln schienen einen eigenen Kampf um jeden Zentimeter Boden zu führen, dicht gefolgt von Weißdorn, der die Vegetation scheinbar von oben zu ersticken versuchte. Da das ganze Areal im Wasserschutzgebiet, mit angeschlossenem Naturschutzgebiet liegt, fiel die Nutzung durch Großvieh flach. Ausserdem war es überhaupt schwer zum Wall zu gelangen, da viele Brücken, über die auch im Sommer Wasser führenden Gräben, eingebrochen waren... Vom Sumpfland mal ganz abgesehen. Bewirtschaftung mit Maschinen gestaltete sich dementsprechend diffizil.
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Wir hatten die Lösung: sehr geländegängig mit gutem Appetit... und so hüteten wir 97 zum ersten Mal die Diestelhölle. Hölle trifft das ganze sehr gut, denn wollte ich mein E-Netz aufspannen, musste ich mir erst mit der Sense einen Weg durch die geschätzt 1,80 Meter hohen Disteln und Nesseln bahnen. Im Hochsommer mit langer Kleidung zu arbeiten war allein schon eine Qual, aber das absolute Praliné waren die ganzen Mücken, das hoch-runter Gelände und der nette Nebeneffekt von Disteln... AUTSCH!
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Für die Ziegen war dies natürlich das Paradies schlecht hin, was man auch an ihrem physischen Befinden gut erkennen konnte; -die waren schneckenfett! Durch den Weißdorn zu kraxeln hatte den Vorteil der "Selbstkämmung". Das Hoch und Runter lies den Gehörnten ordentliche Muskelpakete wachsen, wie ich es vorher bei selbigen noch nicht gesehen hatte. Da nahm ich die eine oder andere Blessur doch gerne hin. Aber auch der Erfolg in Bezug auf den Aspekt der Vegetation lies nicht lange auf sich warten. schon im Folgejahr konnte man deutlich einen Rückgang der Disteln beobachten. Die Nesseln schienen mit dem Verbiss durch die Ziegen besser klar zu kommen und so konnte man meinen, sie würden den frei gewordenen Platz der Disteln für sich beanspruchen. Auch der Weißdorn hatte nun seinen Meister gefunden und ersuchte schon garnicht mehr sich weiter auszudehnen. Nach ca. 3 Jahren hatte sich das Verhältnis gänzlich geändert. Disteln standen nur noch vereinzelt und wurden mit Vorliebe zu allererst von den Ziegen gekillt. Die Nesseln bildeten Inseln, umringt von diversen Gräsern. Sogar das erste Johanniskraut hatte sich durchgekämpft. In der Niederung war es der Hahnenfuss und die Sumpfdotterblume die das Allgemeinbild verschönerten.
Mit der Zeit hatte auch ich das Zaunstellen in diesem Extremgelände raus und wurde recht einfallsreich, was den Transport der Zäune in das unwegsame Gelände betraf:
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Torfi wurde für diese Frondienste natürlich zusätzlich entlohnt |
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Inzwischen existieren so gut wie keine Disteln mehr auf diesem Damm. Brennnesseln nur noch ganz vereinzelt und der Weißdorn hat aufgegeben, auch von ihm sind nur noch vereinzelt kleine Büschle zu sehen. dagegen finden man nun neben vielen verschiedenen Gräsersorten den Himmelsschlüssel, die Wegwarte, Schlüsselblume, vereinzelt Kamille, Löwenzahn, Spitzwegerich, Huflattich, (nur in der Niederung) Hirtentäschel, Salbei, Rosmarin und, aber da bin ich mir nicht sicher, Schöllkraut. Die Ziegen geniessen nach wie vor ihren Aufenthalt und das Futter dort. In der Regel dauert die Behütung mit 2 Durchgängen, von Mai bis September/Oktober.
Allgemeine Tipps und Tricks
Schon oft wurde ich gefragt, wie man es schafft, daß sich die Ziege freiwillig melken, bzw. ein fremdes Lamm anhängen lässt. Das Ganze ist eine Frage des Timings: Sobald der Geburtsvorgang begonnen hat, sollte man daher in der unmittelbaren Nähe bleiben und sein Hauptaugenmerk auf den Geburtsschleim richten. Reibt man sich nämlich mit diesem die Hände ein und lässt danach die Ziege den Geruch aufnehmen, dürfte auch das sofortige Berühren des Euters kein Problem mehr sein. Sogar Lämmer, welche schon ein paar Tage alt sind, kann man nach diesem Schema der Mutterziege anhängen. Vorraussetzung dafür ist allerdings, daß durch den Schleim der Eigengeruch des Lammes gänzlich überdeckt wird. Sobald die Ziege beginnt, das fremde Lamm zu säubern, ist es geschafft -der Instinkt der beiden erledigt den Rest!
Für weitere Fragen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung!
